Eine Spurensuche: die Entwicklung der Adventszeit
Es ist schon ein eigenartiges Phänomen: kaum sind die Sommerferien vorbei, taucht der erste Gedanke an die Advents- und Weihnachtszeit auf.
Leise zwar, aber wie ein stilles, immer begleitendes Licht. Ein Gefühl von Vorfreude, Wärme, Geborgenheit.
Und jedes Mal frage ich mich, woher diese tiefe, immerwährende Sehnsucht kommt.
Kerzen, Plätzchenduft, Lichterschein und leiser Musik, Adventsdeko und diese innere Freude, ja fast Zufriedenheit. Ich kann es nur schlecht erklären, aber ich stehe mit meinem Empfinden nicht alleine da.
Interessant zu wissen: wann und wie entstand der Advent eigentlich? Also die Lupe in die Hand genommen und recherchiert.
Wie wurde der Advent ins Leben gerufen? Warum entstand er? Wer hat ihn geprägt? Und wie wurde aus einer strengen Fastenzeit das, was wir heute als romantischen Advent empfinden?
Die Geschichte des Advents – von der Fastenzeit bis zur Zeit des Lichtermeers
1. Ursprung
Schon im 4. Jahrhundert begann die junge Kirche damit, sich auf die Ankunft Christi vorzubereiten – allerdings ganz anders als heute: kein Kerzenschein und keine Plätzchen!
Stattdessen war Adventus (Ankunft) ursprünglich eine Fastenzeit, Zeit der inneren Sammlung und ein Weg der Umkehr und Besinnung – ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern.
In Gallien (Frankreich/Spanien) dauerte der Advent sogar 40 Tage, beginnend Mitte November – eine strenge Zeit, die heute kaum jemand damit verbinden würde.
2. Die Kirche begann, Adventus zu ordnen – aber erst später
Lange gab es keine einheitlichen Regeln:
– In Gallien: 6 Wochen Advent
– In Rom: zunächst gar kein fester Advent
– In Mailand: bis heute 6 Wochen (Ambrosianischer Ritus)
Erst im 6. und 7. Jahrhundert übernahm Rom die Idee, setzte aber nur vier Adventssonntage fest.
Dieser Ritus verbreitete sich langsam, aber erst im 9. Jahrhundert war der Advent weltweit einheitlich geregelt.
Der Advent ist also langsam gewachsen, aus dem Volk der Gläubigen heraus, um sich innerlich auf das Gedenken der Geburt Christi vorzubereiten.
3. Die kirchliche Bedeutung:
Natürlich wurde wieder Strenge angeordnet:
– keine Hochzeiten im Advent
– keine Feste, kein Tanz
– violette Paramentenfarbe als Zeichen der Buße
Der Advent war damals definitiv keine Vorweihnachtszeit mit Freude und Frieden im Herzen, wie wir es heute kennen!
4. Der große Wandel im 19. und 20. Jahrhundert
Mit dem 19. Jahrhundert veränderte sich das Bild grundlegend. Es entstanden:
– der Adventskranz (1839 von Johann Hinrich Wichern für Hamburger Straßenkinder)
– das häusliche Lichterbrauchtum
– romantische Adventslieder
– die Idee, den dunklen Winter mit Wärme und Licht zu durchbrechen
Der Advent wurde nun allmählich das, was wir heute kennen: eine Zeit der Hoffnung, des Lichtes, der inneren Vorfreude.
Die strenge Bußzeit machte dem seelischen Bedürfnis nach Geborgenheit Platz.
Dass wir heute Plätzchen backen, Kerzen anzünden, die Wohnung schmücken und uns in warme Decken hüllen – all das ist kaum älter als 120 Jahre.
Ich gehöre definitiv zum Team „romantische Adventszeit“.
Nicht, weil ich die Geschichte übersehen möchte, sondern weil die Adventszeit etwas in uns zum Klingen bringt, das wir oft im alltäglichen Lärm verlieren: inneren Frieden, ein Gefühl von Geborgenheit und eine stille Ausrichtung auf das, was im Leben wirklich zählt.
