grausames Menschenwerk im Namen der Kirche zum Machterhalt

Bei meinen Recherchen musste ich mich zwangsläufig mit der Kirchengeschichte auseinandersetzen. Vieles davon ist bekannt und doch wird erstaunlich schnell vergessen, was kirchliche Macht über Jahrhunderte hinweg Menschen angetan hat.
Und doch hat diese Entwicklung eine Kehrseite. Denn zur Liebe zu GOTT und zur Nächstenliebe gehört auch die Gemeinschaft. Wo sich immer mehr Einzelne zurückziehen, beginnt die Flamme der Christenheit langsam zu erlöschen. Nicht, weil der Glaube an GOTT verschwunden wäre, sondern weil das gemeinsame Tragen, Korrigieren und Stärken verloren geht.
Gerade deshalb ist die ehrliche Auseinandersetzung mit der Kirchengeschichte kein Angriff auf den Glauben, sondern eine Voraussetzung für seine Erneuerung.
Schon früh begann eine schleichende Umschreibung des Evangeliums. Aus der befreienden Botschaft Jesu, die den Menschen in die Verantwortung seiner eigenen Entscheidung stellte, wurde Schritt für Schritt ein Lehrgebäude aus Dogmen, Geboten und kirchlicher Deutungshoheit. Die innere Freiheit des Glaubens wurde ersetzt durch äußere Kontrolle. Der Geist wich der Ordnung, die Liebe der Macht.
Die Kirche erhob Anspruch auf Herrschaft über Menschen – über ihr Denken, ihr Gewissen, ihr Leben und schließlich auch über ihren Tod. Wer nicht folgte, wurde ausgegrenzt, verfolgt oder vernichtet.
Die Kreuzzüge stehen dafür exemplarisch. Unter dem Zeichen des Kreuzes wurden ganze Landstriche verwüstet, Städte zerstört und Hunderttausende Menschen getötet. Dies geschah nicht im Affekt, sondern organisiert, legitimiert und theologisch abgesichert. Gewalt wurde im Namen Christi zum angeblich gottgewollten Mittel erklärt.
Noch verheerender wirkte sich die systematische Verfolgung im Inneren Europas aus. Über Jahrhunderte hinweg wurden Menschen als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt. Es handelte sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein fest etabliertes System kirchlicher und weltlicher Gerichtsbarkeit. Richter mordeten im Namen GOTTes. Gebote wie „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“ wurden massenhaft und über lange Zeit hinweg gebrochen – nicht aus Unwissenheit, sondern aus Überzeugung.
Hinzu kam der Ablasshandel, der den Glauben endgültig zur Ware machte. Im Namen Christi wurde Geld eingetrieben, wurden Ängste geschürt und Lebensgrundlagen zerstört. Menschen zahlten für Vergebung, für das Seelenheil ihrer Angehörigen. Armut wurde ausgenutzt, Hoffnung missbraucht, Vertrauen gestohlen.
Auch sexuelle Gewalt gehört zu dieser Geschichte. Vergewaltigungen, insbesondere an jungen Menschen, geschahen über Generationen hinweg im Schutz kirchlicher Strukturen. Täter wurden versetzt, nicht gestoppt. Opfer wurden zum Schweigen gebracht. Dieses Muster reicht bis in die Gegenwart. Noch heute werden Straftäter gedeckt, Akten verschlossen, Verantwortung vermieden. Die Institution schützt sich selbst.
All dies über sehr lange Zeiträume hinweg. Aufarbeitung? Jaaa, aber nur minimal und völlig unzureichend. Dogmen werden nicht grundlegend hinterfragt, obwohl wir heute – auch dank historischer Forschung und neuer technischer Möglichkeiten – Zugang zu Quellen haben, die lange im Dunkel lagen. Wahrheit wäre verfügbar. Doch man müsste sich nackig machen und ups … die Macht könnte eingebüßt werden.
Hinzu kommt eine Entwicklung der Gegenwart, die nicht übersehen werden kann. Kirchenleitungen, insbesondere in den evangelischen Kirchen, politisieren sich zunehmend und bemühen sich sichtbar, dem jeweiligen Zeitgeist standzuhalten. Positionierungen werden übernommen, Debatten bedient, gesellschaftliche Erwartungen erfüllt – unabhängig davon, ob diese Ausrichtungen schriftenkonform sind im Sinne der Evangelien und der pastoralen Briefe.
Es geht dabei nicht um Bewertung oder Richten. Es geht um die Frage, was Maßstab ist. Nicht institutionelle Anpassung, nicht politische Anschlussfähigkeit, sondern das Leben der Evangelien. Dort, wo dieser Maßstab verloren geht, bleibt geistige Orientierung aus – und der Seelenhunger des Einzelnen ungelöst.
Der Maßstab kann nur das Leben in direkter Anlehnung der Evangelien und der pastoralen Briefe sein – alles andere bleibt Institution und liegt nicht im Auftrag Christi.
Was ist eure Positionierung dazu? Es würde mich sehr interessieren.
