Bei der Farbe Violett/Purpur wurde ich aufmerksam:
bei meiner Einführung zur Lektorin hatte ich mich intensiv mit Lydia beschäftigt – jener Purpurhändlerin , deren kostbare Ware sogar in der Apostelgeschichte erwähnt wird.
Wer sich einmal damit befasst hat, wie aufwendig Purpur gewonnen wurde und welch unfassbar teures Handelsgut dahinterstand, der weiß: diese Farbe gehörte nicht den Büßern, sondern den Reichen, Einflussreichen, Mächtigen.
Umso erstaunlicher – oder sagen wir: bemerkenswert kreativ – ist die Tatsache, dass genau diese Farbe im Mittelalter plötzlich zur „Bußfarbe“ erklärt wurde. Die Königsfarbe als Zeichen der Demut? Die Luxusfarbe als Symbol der Selbstverleugnung? Man muss schon sehr geistreich sein, um einen solchen Dreh hinzubekommen.
Purpur war die teuerste Farbe der Antike, und Lydia machte ihr Geschäft genau damit.
Kaiser trugen Purpur, hohe Beamte ebenfalls – und später, natürlich rein zufällig, auch die Kirchenoberen. Und da man diese prachtvolle Farbe weiterhin tragen wollte, ohne weltlich zu wirken, erfand man einfach eine neue Bedeutung: Buße. So ließ sich die edle Farbe behalten – und gleichzeitig fromm verpacken.
Eine PR-Leistung der Kirche, die man durchaus bewundern kann: die Farbe blieb königlich, aber die Begründung wurde demütig.
Ob sich die armen Mönche in ihrer Kutte darüber wunderten? 😉