„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe GOTTes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ Amen
Dieser Satz, der auch als Predigttext für den heutigen Sonntag vorgeschlagen wurde, steht am Ende des zweiten Korintherbriefes. Viele von uns kennen ihn als Segensgruß. Aber dieser Satz enthält viel mehr. Er ist einer der ältesten überlieferten Verse aus den Neuen Testament, in dem Gott, Jesus Christus und der Heilige Geist gemeinsam genannt werden – in einem Atemzug und in genau dieser Reihenfolge.
Später hat die Kirche diese Verse genommen und im übertragenen Sinne zusammengepackt und Trinitatis genannt und die Dreifaltigkeit bzw. Dreieinigkeit GOTTes hervorgehoben.
Laut frühen theologischen Aussagen gilt Trinitatis als einer der christlichsten Feiertage im Kirchenjahr, denn hier bündelt sich das christliche Glaubensverständnis.
Anders als Weihnachten oder Pfingsten geht dieser Tag nicht auf ein bestimmtes biblisches Ereignis zurück, dennoch ist er ein Gedenktag.
Ich sage es hier ganz offen: als ich mich hinsetzte, um mit den Vorbereitungen der Predigt zu beginnen, lehnte ich mich erst einmal zurück und raufte mir die Haare; ich war schon ein wenig frustriert und dachte voller Selbstmitleid, warum dieser Kelch nicht an mir vorbeigezogen ist.
Es ist so, dass ich persönlich immer schon mit den Begriffen der „Dreifaltigkeit“ oder „Dreieinigkeit“ in Bezug auf GOTT so meine Schwierigkeiten hatte.
In den beinahe 4-Jahrzehnten, in denen ich mich mit dem Neuen Testament und der Geschichte drumherum beschäftigte, haben es tatsächlich diese Begrifflichkeiten nicht geschafft, dass wir uns freundschaftlich annäherten.
Und überhaupt: Warum war dieser Trinitätsgedanke den Kirchenvätern so wichtig, dass sie ihm sogar einen eigenen Sonntag widmeten?
Nun, mein Forscherdrang begann sich zu regen!
Es wäre doch gelacht, wenn ich das Mysterium Trinitatis nicht wenigstens ein Stück weit entschlüsseln kann! Ich wollte einfach verstehen, wie diese „unhandlichen“ Begriffe entstanden sind.
Zuerst legte ich verschiedene Übersetzungen der Bibel nebeneinander, um zentrale Aussagen zu vergleichen – vielleicht habe ich ja bislang etwas übersehen.
Dann tauchte ich tief in die Kirchengeschichte und den historischen Zusammenhängen jener Zeit ein, mit all den Spannungen zwischen den Religionen und Volksgruppen. Eines kann ich versichern: ein Krimi ist nichts dagegen!
Jedenfalls war das Resultat meiner Geschichts-Grabungen, dass die Lehre der sogenannten Dreifaltigkeit keinen biblischen Ursprung hat, sondern erst im 4. Jahrhundert theologisch entwickelt wurde – und das aus gutem Grund, wie ich später dachte.
Das Verständnis von GOTT, Sohn und Hlg. Geist unterscheidet sich deutlich vom Judentum und dem Islam, beide glauben ebenfalls an den einen GOTT.
Teile beider Weltreligionen sehen bis heute die Trinitätslehre als eine Täuschung der Kirchen, um den Menschen zu verschleiern, dass wir in Wirklichkeit Vielgötterei betreiben.
Das ist ein Vorwurf, der von den Juden bereits seit Pfingsten erhoben wurde.
Und dieser Vorwurf war einer der Gründe, warum die Kirchenväter nun im Jahre 325 in einem Konzil unter Kaiser Konstantin nach einer Antwort suchten. Aber auch in den eigenen Reihen der jungen Kirche musste man aufkommenden Widerstand über-winden: verschiedene Deutungen des göttlichen Wesens und seinem Willen führten zu Auseinandersetzungen.
Höchste Zeit also, GOTT, SEINEN Sohn und den Geist samt den hlg. Schriften in eine Formel zu packen, so dass nun endlich auch die größten Zweifler befriedigt waren! Heraus kam die Dreifaltigkeit, Trinitatis, der dreieinige GOTT.
Im 14. Jahrhundert wurde Trinitatis fest in das Kirchenjahr aufgenommen.
Und dann – kam die Reformation.
Martin Luther war als Augustiner-Mönch tief mit allen Konzilsbeschlüssen vertraut und so übernahm auch er die Trinitätslehre. Er stellte die vom ihm gewohnte Glaubensgrundlage nicht zur Diskussion.
Zu dieser Zeit aber gab es auch Gruppen, die diese Trinitätslehre anzweifelten.
Als Luther schließlich gefragt wurde, wie man Trinitatis verstehen könne, sagte er:
„Das ist recht – du sollst es auch nicht verstehen.“
Nun, es scheint, dass Luther selbst keine verständliche Erklärung hatte. Aber er hielt daran fest. Punkt.
Ja, so war das mit meiner Forschungsreise in die Vergangenheit. Mit Trinitatis an sich habe ich wegen meinem biblischen Verständnis immer noch meine Schwierigkeiten, und die Begrifflichkeiten haben immer noch keine Chance auf freundschaftliche Bande.
Aber durch die Vorbereitung und Vertiefung mit dem Thema meiner Predigt kann ich jetzt besser nachvollziehen, wie schwer es wohl den Kirchenvätern gefallen war, in Worte zu fassen, wie GOTT seinen Willen durch seinen Sohn und den hlg. Geist zu den Menschen brachte – immer noch bringt.
Ich wünsche uns allen, dass wir bereit sind, uns immer wieder neu auf die Suche zu begeben – mit dem Wunsch, zu verstehen – so dass wir es schaffen, uns ganz auf GOTT einzulassen.
So schließe ich mit diesem wunderbaren Segensgruß in der Übersetzung der Basis-Bibel:
Ich wünsche euch allen die Gnade, die der Herr Jesus Christus gewährt.
Ich wünsche euch die Liebe, die GOTT schenkt,
und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.
Amen

