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Leben für die Ewigkeit

Gedanken zu Tod & geistigem Übergang

Worte zum Ewigkeitssonntag 2025

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann – und man soll das auch gar nicht versuchen.“
So schreibt Dietrich Bonhoeffer an seinen Freund, den er nach langen Monaten der Einzelhaft schmerzlich vermisst.

Diese Worte treffen sehr tief. Denn wir alle kennen den Schmerz, der entsteht, wenn ein geliebter Mensch fehlt. Ob nun durch große Entfernungen oder durch den Tod – es gibt keinen Ersatz, der wirklich tröstet. Und gerade darin zeigt sich, wie kostbar uns ein Mensch ist. Doch so schwer es auch ist, wir müssen mit dieser Trennung leben. Wir müssen lernen, mit einem Alltag zurechtzukommen, in dem eine Stimme fehlt, ein Blick, eine Nähe. Und das tut weh – manchmal so, als würde es uns das Herz zerreißen. Nichts kann dieses gefühlte Loch füllen.
Aber mit der Zeit lernen wir, mit diesem Vakuum zu leben. Und was uns dabei hilft, sind unsere Erinnerungen.

Bonhoeffer schreibt weiter: „Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung.“ Doch er fügt hinzu: „Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

Am Eingang habt ihr euch einen kleinen Mineralstein oder Kiesel ausgesucht. Nehmen wir ihn nun ganz bewusst in die Hand – symbolisch für unsere Erinnerungen.
Schauen wir diesen Stein einmal genauer an:
Er ist nicht gleichmäßig rund…, ja, was hat er für eine Form? Ist er glatt, nahezu geschmeidig, oder eher rau? Weist er Kanten auf und hat zudem noch pikende Spitzen? 
Was hat er für eine Farbe? Einfarbig oder eher Ton in Ton? Oder ist er mehrfarbig bunt, bald wie eine kleine Farbpalette? Und je nachdem, wie wir ihn drehen, verändert sich das Licht darauf oder darin.
So ist es auch mit unseren Erinnerungen. Manche schmerzen, manche trösten und andere wiederum bringen uns zum Lächeln. Und immer wieder zeigen sie neue Facetten dessen, was einst war. Manchmal verlieren wir uns darin – wie in einem stillen Traum, der uns für einen Moment wegdriften lässt.
Und dann kommt dieser Augenblick, in dem uns wieder bewusst wird, dass es eben nur Erinnerungen sind. Weil der geliebte Mensch verstorben ist. Für immer von uns gegangen…

Wirklich für immer? Die Bibel widerspricht diesem endgültigen „für immer“.
Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“.
Mit dieser Verheißung verwandelt sich das harte, endgültige „für immer“ in einen Ausblick. Und genau dieser Ausblick nimmt dem Verlust den Stachel – nicht indem es den Schmerz klein macht, sondern indem er uns Hoffnung macht.

Die Pionierin der Sterbeforschung, Elisabeth Kübler-Ross, hat am Ende ihres Lebens geschrieben:
„Sobald wir alle unsere Arbeiten auf dieser Erde erledigt haben, ist es uns erlaubt, unseren Leib abzuwerfen, welcher unsere Seele gefangen hält, – gleich einem Kokon den Schmetterling. Wenn die Zeit reif ist, können wir unseren Körper gehen lassen, und wir werden frei sein. 
Das ist ein starkes, tiefes und zugleich so verständliches Bild. Eine trostreiche Vorstellung.

Zusätzlich lesen wir in Psalm 90: „Du lässt den Menschen zum Staub zurückkehren und sprichst: Kehrt zurück, ihr Menschenkinder!“
Dieser Satz beschreibt nichts Endgültiges, sondern eine Bewegung zurück zu GOTT – eine Heimkehr. Und genau in diesem Sinn können wir auch verstehen, was wir den Tod nennen: Es ist der Moment, in dem GOTT die Hand öffnet und das Tor zur Ewigkeit aufschließt.“

Wir sind von Ewigkeit hergedacht – und zur Ewigkeit bestimmt.

Wir leben in der Zeit. Alles, was uns vertraut ist, hat ein Vorher und ein Nachher, ein Beginnen und ein Vergehen. Unser Denken ist an Sekunden, Tage, Jahre gebunden. Doch die Ewigkeit ist anders. Ewigkeit ist Gottes Zeit – geistige Zeit. Keine endlose Aneinanderreihung von Stunden, sondern ein anderes Sein.

Biblisch gesehen treten die Verstorbenen in das Reich der Ewigkeit ein – in das Reich Gottes. Sie sind nicht fort, nur gewandelt. Es ist ein geschlossener Kreis. Leben tun wir immer – ob hier auf Erden oder in der Ewigkeit. Nichts geht verloren. Nichts ist vergeblich. Jeder findet wieder seinen Ort in Gottes Reich. Und wie tröstlich ist es zu wissen, dass die, die wir vermissen, uns lediglich vorausgegangen sind. Heimgekehrt. Das Tor wurde ihnen geöffnet.

Vielleicht haltet ihr noch euren Stein in der Hand, der symbolisch für unsere Erinnerungen steht. Erinnerungen, die wir in dankbarer Weise bewahren – sie gehören zu dem Weg, den wir mit dem geliebten Menschen geteilt haben. Diese Erinnerungen bleiben. Wir tragen sie mit uns – bis sich auch für uns das Tor zur Ewigkeit öffnet.  

Amen